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Nachrichten über Containertransport

 

Hamburg Süd bestellt sechs Containerriesen


23.Dez 2006

Professur für Nautik gestiftet und Ausbildung verdoppelt. Reedereichef Klaus Meves im Interview.

ABENDBLATT: Hohe Kosten für Treibstoff, sinkende Frachtraten: Gerät der Boom in der Linienschifffahrt in Gefahr?
KLAUS MEVES: Davon gehen wir nicht aus. Vielmehr glauben wir daran, dass gerade in diesem Bereich von Deutschland aus gute Wachstumschancen bestehen.

ABENDBLATT: Wie setzt das Hamburg Süd um?
MEVES: Mit weiteren Neubauten. Wir haben mit der koreanischen Werft Daewoo einen Absichtserklärung geschlossen, nach der wir Anfang des Jahres weitere fünf Frachter fest und einen weiteren als Option bestellen wollen. Die Schiffe werden jeweils Stellplätze für 6000 Standardcontainer (TEU) haben und damit die größten sein, die zwischen Europa und Südamerika fahren. Das Auftragsvolumen beträgt rund 380 Millionen Euro. Die Schiffe sollen 2009/10 geliefert werden.

ABENDBLATT: Was ist der Hintergrund für den Auftrag?
MEVES: Der wachsende Seetransport, der auch künftig durchschnittlich um acht bis zehn Prozent zulegen wird. Hamburg Süd hat dann in der Flotte eine Kapazität von 300 000 Stellplätzen, von denen 120 000 zu gecharterten Schiffen gehören. Wächst der Markt so weiter, brauchen wir jedes Jahr einen Zuwachs von 25 000 TEU. Wollen wir unseren Eigenanteil von 60 Prozent halten, muss eben immer wieder neu bestellt werden.

ABENDBLATT: Sollen die Neubauten die deutsche Flagge hissen?
MEVES: Das ist so vorgesehen und gilt zudem auch für die 16 Neubauten, die wir 2007 und 2008 erhalten werden.

ABENDBLATT: Für 21 neue Schiffe dürften unter deutscher Flagge mehr als 200 nautische und technische Offiziere nötig sein. Wo kommen die her?
MEVES: Einige von ihnen haben wir, weil Hamburg Süd stets mehr deutsche Kapitäne und Offiziere eingesetzt hat als im Zweitregister vorgeschrieben waren. Sie werden wir nun auf die neuen Schiffe verteilen. Aber es ist richtig: Wir brauchen etwa 150 neue Führungskräfte. Nachdem die erste Frau als Kapitän bei uns fährt, suchen wir weitere Frauen, die sich diesen Beruf vorstellen können.

ABENDBLATT: Kapitäne müssen heute nicht mehr Deutsche sein, aber als EU-Europäer gut Deutsch sprechen können. Sind solche Seeleute zu finden?
MEVES: Sehr schwierig. Deshalb sprechen wir mit der Gewerkschaft Ver.di über eine Ausnahmeregelung. Für fünf Jahre sollte eine leidliche Kenntnis der Sprache reichen. Bis dahin hoffen wir, genügend deutschen Nachwuchs ausgebildet zu haben.

ABENDBLATT: Was tun die Reedereien dafür?
MEVES: Der Verband Deutscher Reeder hat beschlossen, Beiträge für die Finanzierung von Ausbildungsplätzen einzusetzen. So wird nun die Hälfte der Verbandsbeiträge in die Ausbildung gesteckt. Das ist ein Plus um eine Million auf 3,5 Millionen Euro.

ABENDBLATT: Wie engagiert sich Hamburg Süd?
MEVES: An der Fachhochschule Flensburg, die von Professor Peter Boy geleitet wird, ist ein neuer Nautikstudiengang Seeverkehr und Logistik geplant. Das bedeutet, dass im Wintersemester 2007/08 rund 40 neue Studienplätze entstehen. Wir werden diesen neuen Studiengang mit der Finanzierung einer Stiftungsprofessur für drei Jahre unterstützen.

ABENDBLATT: Und was tut sich bei der Ausbildung in der Reederei?
MEVES: Dort haben wir die Zahl der Stellen für Schiffsmechaniker-Lehrlinge in diesem Jahr von zehn auf 20 verdoppelt. Ausgebildet wird in zwei Gruppen, wobei viele der Teilnehmer nach der Ausbildung ein technisches oder nautisches Studium beginnen. Vom Vordiplom an gibt es die Möglichkeit, finanziell von Hamburg Süd unterstützt zu werden.

ABENDBLATT: Das Ausbildungsschiff "Cap Finisterre" soll verkauft werden. Ist schon ein Ersatz eingeplant?
MEVES: Wir werden den ersten Neubau der zehn 5500-TEU-Containerschiffe, der im Dezember 2007 geliefert wird, für die Ausbildung nutzen. Für die Einrichtung zur Ausbildung der Schiffsmechaniker wurden zusätzlich 450 000 Dollar bereitgestellt.

ABENDBLATT: Hamburg hat die Ausbildung von Seeleuten aufgegeben und unterstützt jetzt die Fachhochschule in Flensburg. Ist das eine richtige Entscheidung?
MEVES: Das ist wohl das Mindeste, was die Hansestadt tun kann. Denn Hamburg profitiert noch am meisten von der Dynamik in der Seeschifffahrt.

Hamburger Abendblatt









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