Lübeck - Jetzt kommt "Claus": Lübeck wird Heimathafen eines der stärksten Schlepper im Ostseeraum.
"Claus" passt auch ohne den Titel Santa gut in die Weihnachtszeit: Am Freitag wird die Lübecker Reederei J. Johannsen & Sohn den Schiffsneubau von Kiel nach Lübeck überführen. Der Schlepper wurde für die Lübecker Reederei auf der dortigen Lindenau-Werft gebaut, ist nach Aussage von Fachleuten der bislang stärkste Schlepper Schleswig-Holsteins und auch im Ostseeraum einer der größten Kraftprotze. Der Schlepper wird nach Aussage von Werft-Geschäftsführer Günter Steen von zwei belgischen ABC-Dieseln mit jeweils 1850 Kilowatt bei 1000 Umdrehungen angetrieben und nennt damit 5600 Pferdestärken sein Eigen. Der Schlepper ist 33 Meter lang und elf Meter breit.
Vor seiner Auslieferung musste "Claus" in der Lindenau-Werft einen Kraftakt vollziehen, die so genannte Pfahlzug-Probe. Der Schlepper musste mit Volllast an einer Trosse ziehen, die an einem Dalben befestigt worden war, und dabei einen Pfahlzug von mindestens 64 Tonnen erreichen. Der Schlepper übertraf das vertraglich festgeschriebene Messergebnis locker. Das Schiff ist der dritte Neubau der Kieler Werft in diesem Jahr. Die Doppelhüllentanker "Seatrout" und "Seacod" haben die Werft bereits verlassen.
"Claus" ist schnell: Er läuft 12,7 Knoten und hat einen Tiefgang von 5,25 Metern. Und mit seiner Eisklasse hat er auch Eisbrecher-Qualitäten. Der mächtige Schiffsneubau ist der vierte Schlepper der Lübecker Reederei, die die 16 und zwölf Jahre alten 30-Meter-Seeschlepper "Axel" und "Michael" (beide gebaut auf der Lauenburger Hitzler-Werft) und den 1968 ausgelieferten Schlepper "Clara" (29,60 Meter, Cuxhavener Mützelfeldtwerft) im Einsatz hat.
J. Johannsen & Sohn ist ein Lübecker Traditionsunternehmen. Die Reederei ist bereits seit mehr als 100 Jahren im Schleppgeschäft tätig. Die Seeschlepper mit modernster Ausrüstung arbeiten nach Aussage der Reederei nicht nur in Lübeck oder auf der Trave, sondern sie ziehen Pontons auf der Ostsee, bringen Schwimmkräne in der Lübecker Bucht zu ihren verschiedenen Einsatzorten, oder sie verholen auf der Nordsee große Bohrinseln. Außerdem werden die Festmacher im Lübecker Hafen von der Reederei J. Johannsen & Sohn zu den Schiffen gebracht.
Das Etikett, als größter deutscher Ostseehafen auch den stärksten Schlepper zu haben, wird Lübeck möglicherweise nicht lange für sich in Anspruch nehmen können. Denn die Kieler Reederei SFK hat bei der Lindenau-Werft einen Schlepper bestellt. Und der soll noch stärkerer Motoren erhalten als "Claus". Doch bis zum nächsten Kräftemessen in Kiel, dem Pfahlzug, wird ein halbes Jahr vergehen.
Kieler Nachrichten