Tickets im Nahverkehr werden um 3,9 Prozent teurer, bei Fernreisen um 5,6 Prozent. Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert: "Konzern vergibt Chance."
Hamburg. Zugfahren wird zum Jahreswechsel erneut deutlich teurer. Die Deutsche Bahn erhöht zum 1. Januar 2007 ihre Fahrkartenpreise im Nahverkehr um durchschnittlich 3,9 Prozent, im Fernverkehr um 5,6 Prozent. Der Konzern begründete die Anhebung mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer, die in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben werde. Zudem seien die Energiekosten drastisch gestiegen. Allein Strom und Diesel hätten sich um 40 Prozent erhöht. Darüber hinaus investiere die Bahn bis 2008 eine Milliarde Euro in die Modernisierung der Fernstrecken, wovon die Fahrgäste durch kürzere Fahrzeiten und mehr Komfort profitieren, sagte Bahnvorstand Karl-Friedrich Rausch.
Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die geplante Erhöhung als "eindeutig zu hoch". "Die Bahn verspielt eine Chance, in Zeiten hoher Benzinkosten noch mehr Kunden von der Straße auf die Schiene zu locken", bemängelt Pro-Bahn-Vorstand Karl-Peter Naumann gegenüber dem Abendblatt. "Die Bahn sollte ihre Mehrkosten besser durch eine Steigerung der Fahrgastzahlen hereinholen." Wenn schon höhere Preise, müsste auch die Qualität verbessert werden, so Naumann. "Statt dessen gehören im Norden auf den Strecken von Hamburg nach Köln, Sylt, Flensburg oder zwischen Kiel und Lübeck Verspätungen zum Alltag."
Die Verteuerungen betreffen vor allem die Ticketnormalpreise. "Sonderaktionen, wie 29-Euro-Tickets für bestimmte Zeiträume und Strecken, wird es auch künftig geben", sagte Bahnsprecher Ole Constantinescu. Die Fahrpreise klettern je nach Attraktivität der Strecke unterschiedlich. Der Maximalpreis für eine Strecke steigt von 115 auf 119 Euro. Reservierungen verteuern sich um 50 Cent auf 3,50 Euro je Strecke, übers Internet bleiben sie mit 1,50 Euro stabil.
Für Fernreisen - in der Regel mit dem ICE - von Hamburg aus bedeutet dies zum Beispiel für Einzelfahrten in der 2. Klasse (Normalpreis):
• Die Strecke nach Berlin kostet künftig 62 Euro statt heute 58 Euro, was einer Erhöhung von 6,9 Prozent entspricht.
• Nach Frankfurt am Main kostet die einfache Fahrt 98 (jetzt: 93) Euro - plus 5,4 Prozent.
• Hamburg-Hannover verteuert sich um zwei auf 38 Euro (5,6 Prozent)
• Hamburg-Köln klettert um vier auf 70 Euro (6,1 Prozent)
• Hamburg-München steigt um vier auf 119 Euro (3,5 Prozent).
Neben den Normalpreisen werden auch die Mehrpersonentickets teurer. Für das Schöne-Wochenende-Ticket müssen die Fahrgäste ab 2007 mit 33 Euro drei Euro mehr bezahlen, das Schleswig-Holstein-Ticket verteuert sich um zwei auf 29 Euro.
Die Bahncards, die von 3,5 Millionen Fahrgästen genutzt werden, erhöhen sich nur um die Mehrwertsteuer. So kostet die Bahncard 25 in der 2. Klasse, mit der ein Preisabschlag von 25 Prozent auf Tickets gewährt wird, künftig 53 (jetzt: 51,50) Euro, in der 1. Klasse 106 (103) Euro. Zusatzkarten bleiben unverändert bei fünf Euro, ebenso die Jugend-Bahn-Card mit zehn Euro.
Für die Bahncard 50, die normale Ticketpreise halbiert, werden in der 2. Klasse 212 (206) Euro fällig, in der 1. Klasse 424 (412) Euro. Die Bahncard 100, mit der ein Jahr alle Strecken beliebig oft genutzt werden können, steigt um 100 auf 3400 Euro, in der ersten Klasse um 200 auf 5700 Euro.
Inwieweit sich Schleswig-Holstein die Verbundtarife für den Regionalverkehr erhöhen wird, steht noch nicht fest. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV), der zuletzt im April seine Preise um 4,8 Prozent erhöht hatte, plant derzeit keine Erhöhungen.
Hamburger Abendblatt