Es gibt viele Gründe die dazu geführt haben, warum die Transportleistung beim Einkauf immer teurer wird. Von ganz plausiblen Ursachen, wie der Ausdünnung der Frächterlandschaft durch Konkurse gibt es auch weniger offensichtliche Gründe, wie die Einführung des digitalen Tachographen.
Was hat der Digitacho mit dem Anstieg der Frachtkosten zu tun, wo er doch kaum im Einsatz ist. Genau das ist der Punkt. Frächter scheuen davor zurück einen neunen Lkw zu kaufen, der zwangsweise mit dem neuen Tachographen ausgestattet ist. Die neue Übersichtlichkeit über Fahrverhalten und Lenkzeiten macht nicht jedem Freude. Der lockere Umgang mit kleineren Sünden geht mit der Tachoscheibe gerade noch, nun gehören sie bald der Vergangenheit an, es sei denn, jemand entscheidet sich für einen Gebraucht-Lkw samt den den ganzen Problemen, die so ein Gerät mit sich bringt.
Die Änderung der Arbeitszeitrichtlinie und die strenge Begrenzung der Arbeitszeit sind ebenso ein kostentreibender Faktor wie die Unmöglichkeit, gute Fahrer aufzutreiben. Die für den Kundenkontakt oft so unerlässlichen guten Deutschkenntnisse sind nicht immer gegeben. Einheimische Arbeitssuchende entscheiden sich immer seltener für den Job, beziehungsweise steigen sogar Fahrer aus, denen der Kontrollwahn der Exekutive auf den Magen geschlagen hat. „Durch Frankreich kann man ohne Strafmandat sowieso nicht mehr durch”, so ein Schenker-Mann aus der Praxis.
Aber die Verknappung des Angebots ist nur eine Seite, die die Preise in die Höhe treibt. Der andere Faktor ist die steigende Nachfrage seitens der Verlader und der Boom in der Wirtschaft, der noch einige Zeit anhalten wird.
Spanien ist teuer
Spanien ist eine Rennstrecke, auf der sich der Frachtpreis besonders drastisch erhöht hat. Geht man von einer generellen Anhebung der Raten um etwa 5 bis 10 Prozent aus, dann gibt es dort Punkte auf der Landkarte, die einen Aufschlag von bis zu 50 Prozent erfahren. Ärgerlich ist nicht nur der Preis sondern auch die Notwendigkeit den Kunden die lange Laufzeit zu erklären. „Manche Sendungen sind 10 Tage unterwegs, weil wir keinen Lkw haben. Viele Aufträge können wir nicht annehmen”, erklärt Schenker Vorstand Österreich, Elmar Wieland beim Schenker-Journalisten-Stammtisch am Mittwoch. Ein Ende der Situtation ist nicht Sicht, denn die Frächterbranche zeigt derzeit kein großes Interesse an Investitionen.
Hier scheinen auch unangenehme Erfahrungen der vergangen Jahre eine Rolle zu spielen, spekuliert Sebastian Kummer, Professor am Institut für Logistik an der WU Wien. Er untermauert die dramatische finanzielle Situation der Branche mit Zahlen. Im Subfrächterbereich, also 1-2-Mann-Betrieben, betrage die Eigenkapitalquote etwa 2,1 %, bei größeren Unternehmen sieht es besser aus, generell geht der Branche aber eher schlecht als recht. Auch ein Anziehen des Transportpreises führt hier nicht automatisch zu einer größeren Investititionsfreude.
Neben den genannten Faktoren kämpfen die Frächter mit Dieselpreis, Kfz-Steuer und Maut. Viel Transportkapazität ist auch durch Ausflaggungen schleichend verloren gegangen. Die Bahnen könnnen diese Engpässe nicht beseitigen. Bei den Bahnen gibt es nicht genügend Lokomotiven, selbst das Personal ist knapp, weil die meisten europäischen Bahnen auf Sparkurs waren in den vergangenen Jahren. In Deutschland werden derzeit pensionierte Lok-Führer rekrutiert. Von der DB werden im Moment keine 4-Achswaggons zur Verfügung gestellt, die über die ungarische Grenze hinaus eingesetzt werden dürfen. Die Bahnterminals beim kombinierten Verkehr sind derzeit voll ausgelastet. Aber nicht nur die Bahnen haben ein Problem. Auch die Häfen sind voll.
12.000 TEU-Schiffe „belasten” die Schnittstelle Hafen. Für Frächter hat die Situation ein Gutes. Höhere Preise können jetzt durchgesetzt werden. Die großen Stückgutnetze in Deutschland gehen von einer generellen Erhöhung von sechs Prozent aus. Von Fall zu Fall gibt der Markt für Frächter auch mehr her. Es soll auch vorkommen, dass der Frächter den Preis diktiert.
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